Die wundersame Bilderwelt von bellotomas


ENGEL-SCHAU – b-tomas
18. Juli bis 8. August 2026, ASAȘ-Magazin Neuwied-Niederbieber
Ursprünglich als eine Art Schaubude auf einem Jahrmarkt vergangener Jahrhunderte geplant, hat sich die Installation von bellotomas in der Umsetzung einer freien Hängung vom engen Korsett der Vergangenheit befreit. Im während des Sommers vom Neuen Kunstverein Mittelrhein (NKVM) als Ausstellungshalle genutzten ASAȘ-Magazin in Neuwied haben sie sich nun versammelt, jene selten wirklich gesehenen aber doch viel vermuteten Kreaturen, die irgendwo im Zwischenreich von Gott und Mensch ihr (Un-)Wesen treiben. Zu sehen sind gut vierzig dieser Engel in unterschiedlichen Abstraktions-Stadien, als ob sie gerade im Kommen oder im Gehen begriffen wären. Hier hängen sie unspektakulär an Haken und Juteschnüren von oben herab, haben offensichtlich nichts Wichtigeres zu tun und versuchen einfach ihren Platz unter dem lichtdurchflutenden Oberlicht zu finden. Die Aquarell-Portraits ihrer Gesichter und Körper sind flüchtig gemalt auf Seidenpapier und geben uns eine Ahnung, als was bellotomas diese Engel-Spezies sieht: Es sind eben ganz normale (fast menschliche) Erscheinungen wie du und ich! Und phasenweise vielleicht auch mit Lethargie, trivialen Gefühlen und Null-Bock-Stimmung.
Und wer will es ihnen verdenken. Das Engel-Dasein heutzutage macht fürwahr keinen Spaß. Mal erwarten wir von ihnen Hilfe beim Finden verloren gegangener Schätze, mal ist es Schutz vor der Unbill unserer Zeit und vielleicht auch noch Hinweise auf das, was uns wohl kurz bevorsteht. Und dann immer diese elende Rumnörgelei der Klienten, die für ihre Probleme eigentlich gar keine Hilfe brauchen, weil sie sowieso alles besser wissen. Warum beispielsweise Frieden, wenn die Menschheit am Krieg doch umso mehr verdient?
Den vermeintlich menschlichen Wesen wachsen vollkommen beiläufig ein paar Flügel hinter ihren Schultern, als wären sie vollkommen nebensächliche, fast überflüssige Accessoires. Durch die Installation schreitende Besucher entfachen mitunter einen leichten Wind, der die Engel neu zum Licht ausrichtet und zum leisen Knistern bringt. Vielleicht haben sie also doch noch eine Seele mit Haltung? Vielleicht haben sie unter diesen Umständen als Universalfigur göttlicher Systemik aber auch bereits ausgedient, und scheitern an der Komplexität des aktuellen Geschehens, vollkommen überfordert und resigniert. Höchste Zeit also für eine Betriebsversammlung im ASAȘ-Magazin.
Die Ausstellung ist noch bis zum 8. August zu sehen. Die regulären Öffnungszeiten sind samstags und sonntags zwischen 15:00 und 18:00 Uhr. Die Besucher werden gebeten den Eingang auf der Rasselsteiner Straße 107 (gegenüber Tierklinik) zu nutzen und sich beim Pörtner an der Schranke an- und beim Verlassen des Geländes auch wieder abzumelden.




2./3. Mai 2026, Neuwied - Ausstellungsstand im Herrnhuter Viertel






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Thema von Anders Norén